Die Finanztransaktionssteuer ist eine Strafsteuer auf Wertpapiere von mehr als 1500 Prozent

Während sich andere EU Nationen immer skeptischer gegenüber einer Finanztransaktionssteuer zeigen, heben die zukünftigen Koalitionspartner in Berlin diese höchst umstrittene Strafsteuer auf Finanzprodukte auf ihre Tagesordnung und pochen auf eine möglichst schnelle Einführung.

In diesem Post stelle ich zur Verdeutlichung der Tragweite dieser absurden “Finanzmarktregulierung” die Auswirkungen einer solchen Steuer auf die direkten Kosten im Futureshandel dar.

Übrigens: Die Abgeltungssteuer ist für uns Trader ebenfalls von Bedeutung, jedoch ist sie ganz anderer Natur.

Die europäische Finanztransaktionssteuer erhöht die Trading-Kosten massivst

Die Steigerung der direkten Handelskosten für Retailkunden durch eine Finanztransaktionssteuer im Überblick (komplette Transaktion An-/Verkauf)

 

DAX Bund EUR/USD  S&P mini Euro Stoxx50
3 € aktuelle Kosten 2,21 € $4,95 $4,75 2,41 €
45,58 € Steuer 28,19 € $33,52 $17.76 6,10 €
48,58 € Round Turn 30,40 € $38,47 $22,51 8,51 €
*+1519% +1275% +677% +373% +253%

*Diese Berechnung basiert auf dem ersten Entwurf der Steuer, bei der An- und Verkauf einer Wertpapierposition belastet werden sollten. In einem späteren Vorschlag einigten sich die Finanzminister der EU vorläufig darauf, nur noch den Rückkauf zu besteuern (damit halbieren sich die durch die Steuer verursachten Kostensteigerungen).

Es wird bei diesen Zahlen offensichtlich, welche Zusatzkosten hier quer durch die Wirtschaft bis zu den Kleinanlagern enstehen werden, ohne das diesen ein nachweisbarer Nutzen für die Volkswirtschaft gegenübergestellt werden könnte. Kein Wunder, dass mittlerweile längst nicht mehr nur aus der Finanzbranche harte Kritik an den Plänen der Regierenden in Berlin aufkommt.

Wäre mein eigenes Geschäftsmodell nicht betroffen, würde ich die Verantwortlichen in Berlin sofort dazu ermuntern, diesen Strafzoll auf der Stelle einzuführen – möglichst mit noch höheren Sätzen und wenn nötig, nur in Deutschland alleine. Ganz nach dem Sprichwort: Wer nicht hören will, der muss fühlen.

Mit den aktuell geplanten Steuersätzen der EU Kommission von “lediglich” 0,01% pro Transaktion, werden die meisten der fairen und liquiden Futures – Märkte für flexibles Kurzfristtrading unattraktiv. Die einzige Ausnahme bildet der an der Eurex gehandelte Futures Kontrakt auf den europäischen Blue Chip Aktienindex Stoxx50. Hier könnten die direkten Kosten auch nach der Einführung einer Finanztransaktionssteuer weiterhin mit einemTick zu Gunsten der eigenen Position gedeckt werden.

Bemerkenswert ist, dass die Transaktionssteuer umso heftiger zuschlägt, je höher die Aktienkurse steigen, weil dann der Nominalwert (dient als Berechnungsgrundlage der Steuer) der abgeleiteten Futureskontrakte gleichermaßen steigt. Alleine diese Tatsache hat das Potential, Investorenentscheidungen zu verzerren.

Nach einem ordentlichen Crash, könnte für in Europa ansässige Marktakteure, dann auch der S&P 500 Future wieder für kurzfristigeres Trading interessant werden.

Die Transaktionssteuer ist ein Strafzoll

Handelskosten – Steigerungen von mehr als 1.500% und nicht etwa 0,01%, wie es auf den ersten Blick aussehen mag, wären die direkte Folge einer rein ideologisch populistisch forcierten Transaktionssteuer. Noch einmal sei gesagt: Eine Finanztransaktionssteuer ist keine Mehrwertsteuer, wie oft zu hören ist. It is much worse: Wird sie nicht weltweit erhoben, wirkt sie in der Praxis tatsächlich wie ein Strafzoll auf sämtliche europäische Wertpapiere sowie deren Derivate. Daher sollten sie die Politiker auch entsprechend so bezeichnen.

Und wie passt das zusammen, wenn die gleichen Politiker im gleichen Atemzug ein transatlantisches Freihandelsabkommen aushandeln wollen? Freihandelsbakommen wurden eingeführt, um u.a. Zollschranken niederzureissen und dadurch die Wirtschaft zu unterstützen!

Day Trader mit kleinen Konten leiden am meisten

Als aktiver Trader musst du dich auf die günstigsten Märkte konzentrieren. Zudem musst du den, im jetzigen Entwurf der Steuer, nicht betroffenen Forex – Handel als ernshafte Alternative für dein Trading in Betracht ziehen und deinen Zeithorizont zum Traden verlängern, um die Handelsfrequenz zu senken und die absolute Größe der Gewinntrades nach oben zu schrauben. Gerade Trader mit kleinen Konten sind hier durch ihre Eingeschränktheit beim Risikomanagement besonders benachteiligt. Mit diesen Anpassungen ist es aber möglich, den Anteil der direkten Kosten am Tradingergebnis wieder etwas zu drücken. Trotzallem ist eine bessere Bruttorendite nötig, um keine finanziellen Einbußen erleiden zu müssen.

Mätzchen, wie die verfrühte Glattstellung einer Teilposition, wie sie beispielsweise beim Trading des Ross Haken empfohlen wird, kannst du dir dann abschminken.

Zähe Verhandlungen und ständiges Hinauszögern (Nachtrag Frühjahr 2016)

Bisher wurde die Steuer mehrfach verschoben.

Ursprünglich geplantes Einführungsdatum der Börsensteuer war Anfang 2014. Danach wurde sie aufgrund anhaltender Unstimmigkeiten unter den Finanzministern der beteiligte Euroländer noch weitere Male hinausgezögert. Mittlerweile sind nur noch 10 Staaten der EU für eine Einführung der Steuer, da sich Litauen und Estland Ende 2015, wegen der anhaltend zähen Verhandlungen und den großen Schwierigkeiten bei der Ausgestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen, vom Verhandlungstisch verabschiedet haben. Springen noch mal zwei Staaten ab, müsste sie Deutschland alleine einführen, denn es sind mindetsens neun Staaten für eine bilaterale Lösung notwendig.

Schlussglocke

Ich halte es für nicht abwägig, dass die starke Bankenlobby aber auch Lobbyisten der starken deutschen Exportwirtschaft, es schaffen sollten, die Finanztransaktionssteuer praktisch fast unschädlich zu machen. Die Bankenlobby wird es der Politik jedoch möglicherweise zugestehen, ihr Gesicht zu wahren. Daher wird sie einem mehr oder weniger offensichtlichen Alibivorschlag letztlich zustimmen. Allerdings hätten die Banken durchaus gerne noch etwas mehr zeitlichen Aufschub für die Einführung der Steuer. Und den werden sie natürlich auch bekommen.

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