Vorsicht! Eine Finanztransaktionssteuer ist keine Mehrwertsteuer

Immer wieder wird eine Transaktionssteuer, auch Börsensteuer genannt, auf das politische Tablett gehieft. Und das obwohl sie umständlich umzusetzen ist, keinen Mehrwert für die Gesellschaft liefert und sogar nachteilige wirtschaftliche Auswirkungen erzeugt.

In diesem Beitrag stelle ich die Tragweite dieser absurden “Finanzmarktregulierung” dar. Es geht um die Auswirkungen einer solchen Steuer auf die direkten Kosten im Futureshandel.

Der Ursprung der Idee: Die Tobin-Tax

Die Idee geht auf das Jahr 1972 zurück. Damals schlug der Wirtschaftswissenschaftler James Tobin eine Finanztransaktionssteuer auf internationale Devisengeschäfte vor.

Sein Ziel war es die kurzfristigen Einflüsse auf die Währungsschwankungen durch reine Spekulationsgeschäfte einzudämmen, ohne dabei der Realwirtschaft zu schaden. Aufgrund dieser Bedingung durfte die Steuer nicht zu hoch ausfallen.

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Die Idee erzeugte kein großes Echo, unter anderem weil zusätzliche Steuern den Welthandel ausbremsen. Der Vorschlag blieb demnach in der Vesenkung verschwunden, bis die Tobinsteuer im Jahr 1997 von den Globalisierungskritikern „Attac“ aufgegriffen wurde.

Jetzt wurde sie „Robinhood Steuer“ genannt. In Anlehnung daran, Geld von den bösen reichen Spielern des Systems zu den armen ausgebeuteten zu transferrieren.

Damit wurde die ursprüngliche Idee der Besteuerung von Finanzgeschäften zur Verbesserung der Wirtschaftsleistung ad absurdum geführt.

Seit diesem Zeitpunkt prescht von Zeit zu Zeit immer wieder ein neuer vermeintlicher Robinhood aus dem politischen Wald und möchte mit Hilfe dieser Steuer bei seinem Souverän punkten.

Wieso die Finantransaktionssteuer so einen schweren Stand hat

Obwohl die Tobinsteuer heutzutage gut in den Grundtenor des „Bankenbashings“ passt, konnte sich diese Art der Besteuerung bisher weiterhin nicht auf breiter Front durchsetzen.

Dafür muss es Gründe geben, und die gibt es zu hauf:

  1. Die Banken- und Finanzlobby.

Durch die starke Veflechtung der heutigen Staaten mit den Geschäftsbanken, können diese fast alles durchsetzen, was die Sicherheit ihres Geschäftsmodells beeinträchtigen könnte.

  1. Uneinigkeit und divergierende Interessen einzelner Länder

Mittlerweile ist den meisten politisch Beteiligten klar geworden, eine Transaktionssteuer ist nur dann überhaupt tragbar, wenn sie in möglichst vielen Staaten eingeführt wird. Wer das nicht akzeptiert, schießt sich mutwillig ins eigene Bein. Dummerweise gehen die Meinungen zur breiten Besteuerung von Finanzgeschäften, und auch der Verwendung der daraus abgeschöpften Steuergelder, weit auseinander. Die Interessen sind kaum unter einen Hut zu bringen.

  1. Die Tauglichkeit der Steuer selbst muss in Frage gestellt werden

Einer der wichtigsten Kritikpunkte an der Tobinsteuer, ist die Tobinsteuer selbst. Die erwünschte Beeinflussung der Spekulanten kann sie nicht leisten, wenn sie nicht zu hoch angesetzt wird. Bei einem zu dratischen Steuersatz hält sie zwar den ein oder anderen Spekulanten von der Börse fern, allerdings zu welchem Preis?

Denn: Zahlreiche Studien legen nahe, eine breit angelegte Besteuerung von Finanzgeschäften hilft unterm Strich niemanden. Sie verteuert auf sämtlichen Ebenen den wirtschaftlichen Handel, direkt oder indirekt und bestraft Kleinanleger, die für ihre Rente vorsorgen wollen.

Und als ob das noch nicht genaug wäre, der Paukenschlag kommt zum Schluß: Eine Transaktionssteuer macht die Börsenkurse nicht wie gewünscht weniger schwankungsanfällig, sondern sie bewirkt sogar das genaue Gegenteil davon. Auch hierzu wurden bereits Studien erhoben, die diese Aussage festigen.

Doch es geht auch ganz ohne Studien: Jeder der schon einmal vor wichtigen News Daytrading betrieben hat, kennt es persönlich: Die Auswirkungen niedriger Liquidität auf das Laufverhalten der Börsenkurse ist frappierend. Sie fangen an wild umherzuspringen und werden völlig unberechenbar.

Wäre das der Dauerzustand in einem Finanzmarkt, würde das sämtliche „guten Investoren“ abschrecken und die Börsen würden zusätzlich destabilisiert werden.

Schweden machte übrigens den Sebstversuch in den Achzigern und führte in Eigenregie eine Transaktionssteuer ein. Schon nach wenigen Jahren beendeten die Schweden das Experiment.

Wieso?

Die Steuereinnahmen blieben (durch Ausweichmanöver der Investoren) fast komplett aus und die Börsenkurse waren mindestens genauso schwankungsanfällig wie vorher.

Doch ein Feldtest ist immer gut. Der Bankenlobby würde ich auch nicht alles auf’s Wort glauben.

  1. Finanzmarktakteure werden bereits besteuert

In Deutschland muss jeder Kleinspekulant und Aktiensparer bereits eine Abgeltungssteuer zahlen und Handelsfirmen unterliegen mit ihrem Gewinn der gewerblichen Steuerpflicht.

Nun zu den Auswirkungen der heute in Europa diskutierten Variante einer Tobinsteuer.

Eine EU weite Finanztransaktionssteuer würde die Handelskosten explodieren lassen

Die Steigerung der direkten Handelskosten für Retailkunden durch eine Finanztransaktionssteuer im Überblick (komplette Transaktion An-/Verkauf)

DAXBundEUR/USDS&P miniEuro Stoxx50
3 € aktuelle Kosten2,21 €$4,95$4,752,41 €
45,58 € Steuer28,19 €$33,52$17.766,10 €
48,58 € Round Turn30,40 €$38,47$22,518,51 €
*+1519%+1275%+677%+373%+253%

*Diese Berechnung basiert auf dem ersten Entwurf der Steuer, bei der An- und Verkauf einer Wertpapierposition belastet werden sollten. In einem späteren Vorschlag einigten sich die Finanzminister der EU vorläufig darauf, nur noch den Rückkauf zu besteuern (damit halbieren sich die durch die Steuer verursachten Kostensteigerungen).

Bei diesen Zahlen wird schnell klar, welche Zusatzkosten hier quer durch die Wirtschaft bis zu den Kleinanlagern enstehen würden.

Ein nachweisbarer Nutzen für die Volkswirtschaft kann diesen Kostensteigerungen leider nicht gegenübergestellt werden. Kein Wunder, dass mittlerweile längst nicht mehr nur aus der Finanzbranche harte Kritik an diesen EU Regulierungsplänen aufkommt.

Wäre mein eigenes Geschäftsmodell nicht betroffen, würde ich die Verantwortlichen in Berlin sofort dazu ermuntern, diesen Strafzoll auf der Stelle einzuführen – möglichst mit noch höheren Sätzen, und wenn nötig nur in Deutschland alleine. Ganz nach dem Sprichwort: Wer nicht hören will, der muss fühlen.

Mit den aktuell geplanten Steuersätzen der EU Kommission von “lediglich” 0,01% pro Transaktion, werden die meisten der fairen und liquiden Futures – Märkte für flexibles Kurzfristtrading unattraktiv.

Die einzige Ausnahme bildet der an der Eurex gehandelte Futures Kontrakt auf den europäischen Blue Chip Aktienindex Stoxx50. Hier könnten die direkten Kosten auch nach der Einführung einer Finanztransaktionssteuer weiterhin mit einem Tick (10 EUR) zu Gunsten der eigenen Position gedeckt werden.

Bemerkenswert ist, dass die Transaktionssteuer umso heftiger zuschlägt, je höher die Aktienkurse steigen, weil dann der Nominalwert (dient als Berechnungsgrundlage der Steuer) der abgeleiteten Futureskontrakte gleichermaßen steigt. Alleine diese Tatsache hat das Potential Investorenentscheidungen zu verzerren.

Was die Transaktionssteuer tatsächlich ist: Ein Strafzoll

Handelskosten – Steigerungen von mehr als 1.500% und nicht etwa 0,01%, wie es auf den ersten Blick aussehen mag, wären die direkte Folge einer rein ideologisch populistisch forcierten Transaktionssteuer.

Eine Finanztransaktionssteuer ist keine Mehrwertsteuer, wie oft zu hören ist.

Wird sie nicht weltweit erhoben, wirkt sie in der Praxis tatsächlich wie ein Strafzoll auf sämtliche europäische Wertpapiere sowie deren Derivate. Daher sollten sie die Politiker auch entsprechend so bezeichnen.

Und wie passt das zusammen, wenn die gleichen Politiker im gleichen Atemzug ein transatlantisches Freihandelsabkommen aushandeln wollen? Freihandelsbakommen wurden eingeführt, um u.a. Zollschranken niederzureissen und dadurch die Wirtschaft zu unterstützen!

Trader mit kleinen Konten leiden am meisten – was können Sie tun?

Als aktiver Trader müssen Sie sich auf die günstigsten Märkte konzentrieren.

Zudem sollten Sie den aktuell nicht betroffenen Forex – Handel als ernshafte Alternative für Ihr Trading in Betracht ziehen und Ihren Zeithorizont zum Traden verlängern, um die Handelsfrequenz zu senken und die absolute Größe der Gewinntrades nach oben zu schrauben.

Gerade Trader mit kleinen Konten sind hier durch ihre Eingeschränktheit beim Risikomanagement besonders benachteiligt. Mit diesen Anpassungen ist es aber möglich, den Anteil der direkten Kosten am Tradingergebnis wieder etwas zu drücken.

Trotzallem ist eine bessere Bruttorendite nötig, um keine finanziellen Einbußen erleiden zu müssen.

Zähe Verhandlungen und ständiges Hinauszögern

Bisher wurde die Steuer mehrfach verschoben.

Ursprünglich geplantes Einführungsdatum, der heute in der Diskussion stehenden europaweiten Börsensteuer, war Anfang 2014.

Danach wurde sie aufgrund anhaltender Unstimmigkeiten unter den Finanzministern der beteiligten Euroländer weitere Male hinausgezögert. Aktuell sind nur noch 10 Staaten der EU für eine Einführung der Steuer, da sich Litauen und Estland Ende 2015, wegen der anhaltend zähen Verhandlungen und den großen Schwierigkeiten bei der Ausgestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen, vom Verhandlungstisch verabschiedet haben.

Springen noch mal zwei Staaten ab, müsste sie Deutschland alleine einführen, denn es sind mindestens neun Staaten für eine bilaterale Lösung notwendig.

Einen erneuten Vorstoß aus Deutschland und Frankreich zur Einführung der Börsensteuer gab es Ende des Jahres 2018.

Wer sich diesen Vorschlag jedoch genauer ansieht, erkennt schnell dessen Alibifunktion. Von einer breit angelegten starken Besteuerung kann keine Rede mehr sein. Es geht vielmehr um bestimmte Aktien (Vorbild ist hier die 2012 in Frankreich eingeführte Steuer auf Aktien mit einer Marktkatpitalisierung von mehr als einer Milliarde EUR).

Derivate tauchen in dem Vorschlag nicht mehr auf.

Damit hätte sich meine Einschätzung aus der Schlussglocke bewahrheitet.

Schlussglocke

Ich halte es für nicht abwägig, dass die starke Bankenlobby aber auch Lobbyisten der starken deutschen Exportwirtschaft es schaffen sollten, die Finanztransaktionssteuer praktisch fast unschädlich zu machen. Die Bankenlobby wird es der Politik jedoch möglicherweise zugestehen, ihr Gesicht zu wahren. Daher wird sie einem mehr oder weniger offensichtlichen Alibivorschlag letztlich zustimmen. Allerdings hätten die Banken durchaus gerne noch etwas mehr zeitlichen Aufschub für die Einführung der Steuer. Und den werden sie natürlich auch bekommen.

Wahnsinn Finanztransaktionssteuer – Zweiter Teil

Dieser Tage las ich eine Aussage des Handelsblatt Chefredakteurs zum Thema Finanztransaktionssteuer. Herr Gabor Steingart, so sein Name, setzte dort die Transaktionssteuer mit der normalen Mehrwertsteuer gleich, um ihre Einführung zu rechtfertigen. Auch viele Politiker argumentieren ähnlich, weil sie wissen, dass die meisten Wähler sich nicht gut auskennen, oder selten nachhaken.

Zitat Steingart:

 

Die Mehrwertsteuer, die wir klaglos auf alle Produkte von A wie Auto bis Z wie Zwieback zahlen, ist auch nichts anderes als eine Transaktionssteuer.

Handelsblatt Morning Briefing

Anscheinend unterschätzt der Chefredakteur der bekanntesten deutschen Wirtschaftszeitung, wie viele andere, was ein “lächerlicher” Steuersatz von 0,01 bis 0,1 Promille – auf sämtliche Finanzmarktprodukte pauschal angewendet – für die Investoren bedeutet.

Auch die Abgeltungssteuer hat Auswirkungen auf deinen Nettogewinn aus Börsengeschäften. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die geplante Börsensteuer der EU verteuert den Handel um das Fünfzigfache

In allen Märkten steigert o.g. Steuersatz die direkten Handelskosten um ein Vielfaches. Genauer gesagt sprechen wir hier über zehnmal die Broker Kommission oder fünfzigmal die Eurex Börsengebühr. Bei diesen Zahlen anzunehmen, dass sie keine großen Auswirkungen auf die wichtigen Märkte haben werden und lediglich den Hochfrequenzhandel eindämmen, ist schlicht und einfach naiv.

Die Auswirkung niedriger Liquidität auf die Märkte, konnte bis heute in mehreren Studien belegt werden. Die Kursveränderungen werden alles, aber nicht ruhiger. Alle Trader, die mal vor wichtigen News den Markt genau beobachtet haben, kennen das aus eigener Erfahrung.

 

Eine Finanztransaktionssteuer ist ein Strafzoll auf Finanzprodukte

Kommen wir nun zum Kernpunkt dieses Artikels.

Im Unterschied zum Verbraucher, der Produkte wie Käse, Wurst, Autos oder auch Urlaubsreisen zum Eigenkonsum kauft, treten Finanzmarktakteure in erster Linie als Händler und Liquiditätslieferanten auf, die unser Wirtschaftsystem mit Kapital versorgen.

Handelsunternehmen aus der Realwirtschaft zahlen innerhalb eines Wirtschaftsraumes für den Austausch der Waren jedoch ebenso wenig eine Steuer, wie die Finanzindustrie beim Handel mit Wertpapieren. Die anfallende Umsatzsteuer wird – in Form der Mehrwertsteuer – 1:1 an den Endverbraucher weitergereicht und die angefallene Vorsteuer lässt sich der Handeltreibende vom Finanzamt zurückerstatten. Es entstehen also keine zusätzlichen Kosten für die Unternehmen wenn sie Handel mit anderen treiben.

Eine Finanztransaktionssteuer kann somit in keinster Weise mit einer Mehrwertsteuer veglichen werden, wie es Herr Steingart tut. Ehrlicherweise sollten die Politiker ihr den Namen “Strafsteuer für den Handel mit Finanzprodukten” geben.

In der Tat zu vergleichen mit Strafzöllen auf den Handel bestimmter Waren zischen zwei konkurrierenden Volkswirtschaften.

Zölle allgemein werden skeptisch gesehen, weil sie den Handel erschweren und Wohlfartszuwächse behindern können. Genauso wird es mit dieser Steuer sein.

Der Verbraucher neigt dazu, die Mehwertsteuer hie und da durch Schwarzarbeit zu umgehen. Investoren neigen stattdessen dazu ‘Over the Counter’ zu gehen und ihre Geschäfte durch die Besteuerung ins Verborgene zu verlagern. Genau das Gegenteil wäre eigentlich wünschenswert.

Eine Börsensteuer bremst das Wirtschaftswachstum aus

Selbst die EU- Kommission musste dieser Tage in einer Untersuchung zu den Auswirkungen der Finanztransaktionssteuer zugeben, dass sie bis zu 1,7% BIP – Wachstum kosten wird. Deutschlands tolles Wachstum von 3% aus dem vergangenen Jahr, wäre damit halbiert. Wie das alles positiv mit dem gerade erst ausgerufenen Stabilitäts und Wachstumspakt für Europa korrelieren soll, bleibt Geheimnis der Politik.

Im Auftragsgeschäft mit Privatkunden werden die Institutionen alle zusätzlichen Kosten, welche der sog. Tobin Tax (dies ist der ursprüngl. Name für die Transaktionssteuer) geschuldet sind, an ihre Endkunden durchreichen. In diesem Fall ist es der kleine Privatanleger, Lebensversicherer und Rentenvorsorger. Damit ist klar: Unter dem Strich ist der Depp wieder klein Erna, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so auszusehen scheint.

Lesenswert ist in diesem Zusammenhang ein Artikel zur Finanztransaktionssteuer der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Hier wird sich dem strittigen Thema wenigstens nüchtern  genähert. Ein schönes Gegenstück zum sonst oft zelebrierten Populismus einiger Politiker und Zeitungsverlage (z.B. “Zocker-Steuer” Bild Zeitung).

Viele Medien machen sich in der Debatte um die Tobin Tax zum Handlanger der Politik

Wie Medien Inhalte transportieren, trägt entscheidend zur Meinungsbildung der Bürger bei. In meiner eigenen Tageszeitung stand wörtlich geschrieben:

“Jede einzelne Transaktion wird besteuert – nicht hoch – 0,1% auf Aktien/Anleihen und 0,01% für Derivate, also Wetten auf Kursentwicklungen. Macht bei einem Umsatz von 100 Euro einen oder zehn Cent.”

Wenn das jemand liest der sich in der Sache nicht auskennt, ist es nur allzu verständlich, wenn er zu folgendem Schluß kommt: “Was beschweren sich diese Banker überhaupt, ich zahle allein für mein Nackensteak im Supermarkt eine vielfach höhere Mehrwertsteuer.”

Aber Vorsicht! Wer am Finanzmarkt Gewinne einfährt, muss bereits ein Viertel davon direkt an den Staat abführen – also satte 6% mehr als beim Nackensteak an Mehrwertsteuer fällig wird. Bei Institutionen unterliegen die gleichen Gewinne ebenso der Besteuerung, weil sie den Unternehmensgewinn erhöhen. Mich würde mal die Reaktion der Kunden im Supermarkt interessieren, wenn ihr Nackensteak – um bei diesem tollen Beispiel zu bleiben – von einem Tag auf den anderen um das Zehnfache im Preis steigen würde. Anstatt 3,50 Euro für 250g Fleisch werden dann 35 Euro fällig.

Wow! Wer geht da noch freiwillig in seinem angestammten Supermarkt einkaufen, wenn es um die Ecke weiterhin 3,50 Euro kostet? Auf die Finanzmärkte übertragen heisst das: Unter solchen Voraussetzungen werden die Investoren dreimal überlegen, ob es woanders nicht rentablere Anlagemöglichkeiten gibt.

Der Futures-Handel an regulierten Börsen ist kein Finanzhokuspokus

Zudem wird im oben zitierten Artikel der Eindruck erweckt, Derivate seien reine Werkzeuge, um auf Kursentwicklungen zu wetten – also Zockerhokuspokus.

Zumindest was den Futures-Markt betrifft, entspricht diese Darlegung nicht der Wahrheit, denn diese Finanzmarktprodukte haben ihre Daseinsberechtigung aus dem Bedarf der Realwirtschaft heraus, sich gegen zukünftige Preisschwankungen der gehandelten Waren und Rohstoffe absichern zu können und so mehr Planungssicherheit zu erlangen. Im heutigen internationalisierten Welthandel werden so auch Wechselkursrisiken beim Güter-/Dienstleistungsaustausch zwischen einzelnen Unternehmen abgesichert. Desweitern dienen Futures/Optionen zur Risikobegrenzung von Portfolios großer Geldpools, wie Renten-/Versicherungsgesellschaften und Investmentfonds, in denen das hart erarbeitete Geld der kleinen Sparer steckt.

Reine Zockerprodukte gibt es natürlich auch, aber diese Wetten (im nennswerten Umfang) laufen vielfach im Graumarkt ab und nicht an den transparenten, regulierten, fairen, etablierten Börsenplätzen. Vor allem diese Transaktionen aber will die Politik eindämmen. Diese Steuer schiesst mit Ansage am Ziel vorbei.

Die erste erwähnte Futures Börse wurde übrigens bereits *1710 in Japan eingerichtet, um den Reishandel effizienter abwickeln zu können. Futures und auch Optionen sind somit kein modernes, überzüchtetes Teufelszeug, sondern begleiten den neuzeitlichen Wirtschaftsaufschwung seit seinen Anfängen.

Die Finanzkrise 2008 wurde hingegen von komplexen, undurchsichtigen, neu entwickelten Verbriefungspapieren in Gang gebracht (wohlgemerkt nicht ursprünglich ausgelöst). Diese hatten nur einen Zweck: Die eigenen Risiken geschickt anderen Marktteilnehmern zu verkaufen, ohne das es diese sofort merken. Diese Transaktionen liefen dabei nicht über regulierte große Börsen.

Schlussglocke

Leider, und wie so oft bei Politikern zu beobachten: Es wird den Leuten nur die halbe Wahrheit erzählt und eine Seite der Medaille präsentiert. Oder in diesem Fall kann auch gesagt werden: Die Politik spricht nur über die – wohlgemerkt, erhoffte Einnahmenseite – der Börsensteuer. Dagegen verharmlost sie die direkten Kosten, und die “Kollateralkosten” für die breite Volkswirtschaft finden im öffentlichen Diskurs erst gar keine Erwähnung.